
Was esse ich im Restaurant? Soll ich diese Sneakers kaufen oder nicht? Und dann waren da natürlich auch die grösseren Fragen: Ist das meine neue Wohnung? Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Selbstständigkeit? Soll ich diesen Schritt wirklich gehen oder lieber noch warten? Aber warten auf was? Wie ihr inzwischen wisst, habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt 😉.
Je wichtiger eine Entscheidung mir erschien, desto mehr begann ich, darüber nachzudenken. Ich suchte nach Gründen, sprach mit anderen Menschen, wägte Vor- und Nachteile ab und versuchte, möglichst viele mögliche Folgen vorauszusehen. Ich wollte sicher sein, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Ich wägte immer richtig lange ab, meist bis der Zeitdruck mich zur Entscheidung drängte, oder manchmal auch bis die Entscheidung abgelaufen war und gar keine mehr nötig war. Keine gute Wahl, ich gebe die Verantwortung ab. Was mir viel später erst bewusst wurde, war, dass ich soooooo viel Zeit dadurch vergeudet habe. Denn irgendwann auf meinem Weg habe ich festgestellt, dass oft nicht die Entscheidung selbst am meisten Energie kostet, egal ob gross oder klein. Wie viel Gewicht wir einer Entscheidung geben, bestimmen wir übrigens selbst. Es ist das, was davor passiert: das ständige Abwägen, das Grübeln, das Hin und Her. Dieses Kreisen um die Frage: Was, wenn ich mich falsch entscheide? Das hat mir auch die Leichtigkeit genommen.
Aber weshalb fällt es uns überhaupt so schwer, Entscheidungen zu treffen? Vielleicht, weil wir für fast jede Möglichkeit gute Gründe finden. Es gibt Gründe für Entscheidung A. Es gibt Gründe für Entscheidung B. Wir sehen die Vorteile, aber auch die Nachteile. Wir wissen, was dafür spricht und finden genauso viele Argumente dagegen. Rein rational betrachtet, ist das eine Never-Ending-Story. Denn je länger wir alles analysieren, desto schwieriger wird es oft. Unser Verstand möchte Sicherheit, er liebt Sicherheit. Er möchte wissen, was passiert. Er möchte möglichst vermeiden, dass wir einen Fehler machen und bei Neuem ist sowieso Vorsicht geboten. Da sind wir bei einem altbekannten Thema: Der Angst vor dem Unbekannten.
Aber auch die Angst vor Fehlern ist gross. Viele von uns haben früh gelernt, dass Fehler etwas Schlechtes sind. Etwas, das wir vermeiden sollten. Also versuchen wir, die perfekte Entscheidung zutreffen. Eine Entscheidung, bei der wir im Voraus wissen, dass alles gut ausgehen wird. Manchmal stellt sich auch die Frage: Gut für wen? Und: Können wir das überhaupt?
Wir können viele Dinge durchdenken. Wir können Informationen sammeln, Risiken einschätzen und mögliche Folgen abwägen. Und das ist auch im gewissen Masse sinnvoll. Ich für mich habe einen einfachen Trick. Ganz pragmatisch stelle ich mir die Frage: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Und dann: Kann ich damit umgehen? Wenn die Antwort «Ja» ist, nimmt mir das bereits viel Druck. Ich stelle mir dann aber noch eine weitere Frage, das Upgrade quasi:
Was ist das Beste, das passieren könnte? Die Antwort darauf ist fast immer richtig richtig gut. Und manchmal ist das gelieferte Resultat noch besser als ich es mir vorstellen konnte. Das erkenne ich dann natürlich erst im Nachhinein. Du weisst ja, dass ich schon ab und zu das Wort Magic erwähnt habe. Das Leben ist meiner Meinung nach Magic, wenn wir offen sind.
Aber oft beschäftigen wir uns so sehr mit dem, was schiefgehen könnte, dass wir vergessen, was alles möglich werden könnte. Und weil Energie der Aufmerksamkeit folgt, lohnt es sich, nicht nur darüber nachzudenken, was alles schiefgehen könnte. Vielleicht wartet hinter einer Entscheidung etwas, das wir heute noch gar nicht sehen können. Etwas, das uns erfüllt, weiterbringt und glücklich macht. Etwas das Magic ist.
Ich habe gelernt, zu vertrauen und nicht mehr auf biegen und brechen bzw. stundenlang nach einer objektiv richtigen Entscheidung zu suchen. Btw. habe ich nebst gelernt und trainiert auch aufgeräumt. Das gehört zum Prozess dazu. Und natürlich darf auch weiterhin mein Verstand mitreden, solange ich ihm die Erlaubnis gebe 😉. Es ist wie im Business, ganz ohne Strategie ist nicht ratsam. Also überlege ich, informiere mich und wäge ab. Aber dann kommt schon bald der Moment, an dem ich eine Entscheidung treffe, ohne noch mehr Argumente zu sammeln. Dann werde ich still, schicke meinen Verstand in den Feierabend und höre auf mein Gefühl. Nicht mit dem Anspruch, zu wissen: «Das ist ganz sicher die richtige Entscheidung.» Sondern mit der Frage: «Wie fühlt sich diese Entscheidung für mich an?» Fühlt sie sich stimmig an? Gibt sie mir ein gutes Gefühl? Spüre ich vielleicht trotz Unsicherheit, trotz Angst oder trotz offenen Fragen ein inneres "Ja"? Denn eine Entscheidung darf, ja soll sich meiner Meinung nach sogar, richtig anfühlen, auch wenn sie nicht leicht ist. Sie darf Respekt auslösen. Sie darf uns herausfordern. Ein gutes Gefühl bedeutet nicht immer, dass wir keine Zweifel haben. Manchmal bedeutet es einfach, dass wir tief spüren: Diese Entscheidung fühlt sich gut an. Und dann: «go for it».
Und bestimmt gibt es nicht immer die eine objektiv richtige Entscheidung. Es zählt immer der Moment. Vielleicht gibt es Entscheidungen, die zu uns passen. Entscheidungen, die sich stimmig anfühlen. Entscheidungen, die wir bewusst treffen, obwohl wir nicht wissen, wie der Weg weitergeht. Und vielleicht geht es beim Entscheiden gar nicht darum, absolute Sicherheit zu finden.
Vielleicht geht es darum, uns selbst so gut zuzuhören, dass wir den Mut haben, unserem inneren Kompass zu vertrauen. 🧭 Genau deshalb habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Es hat sich richtig angefühlt (Gründe dagegen hätte es auch genug gegeben 😉).Ich bin total happy so wie es ist und stolz, diese Entscheidung getroffen zu haben.
Wie leicht fällt es dir, Entscheidungen zutreffen? Und wie oft hörst du dabei wirklich auf dein Gefühl?
Ich kann dir keine Entscheidung abnehmen. Aber ich kann dich dabei begleiten, dein Entscheidungsverhalten zu wandeln. Weg vom endlosen Grübeln und hin zu mehr Klarheit, Vertrauen und Leichtigkeit. Bis bald.